Ein neuer Ort für Vereine und Co.

Das Vorhaben erscheint auf den ersten Blick ein bisschen waghalsig: Ein Verein plant einen Neubau, den andere Vereine und Institutionen in der Stadt für Feste, Veranstaltungen und Kurse nutzen können. Doch die Pläne sind inzwischen sehr konkret. Geht nicht geht dann manchmal (vielleicht) doch. „Es kann nur noch am Geld scheitern“, sagt Andreas Rickert, Vorsitzender des Schützenvereins St. Martinus Sendenhorst, im Gespräch mit der Redaktion. Doch auch bezogen auf die Finanzierung der geplanten Schützenhalle unter anderem durch Fördermittel gebe es gute Signale, auch weil die maßgebliche Bezirksregierung den Verein im Hinblick auf gangbare Wege gut berate.

Die Beteiligten geben derzeit Gas, nachdem das Vorhaben erst Anfang 2025 in der Mitgliederversammlung des Vereins vorgestellt worden war. „Wir wollen im Oktober/November 2026 die Baugenehmigung beantragen“, erklärt Rickert. Sobald die Genehmigung des zuständigen Kreises vorliege, könnten Fördermittel, etwa aus dem Bereich Sport und für die Entwicklung des ländlichen Raums, beantragt werden.

Gutachten sind in Arbeit

Derzeit laufen wichtige Vorarbeiten, berichtet Holger Hinkerohe vom geschäftsführenden Vorstand. Alle notwendigen Gutachten seien in Arbeit oder in Vorbereitung. Das bezieht sich unter anderem auf die Statik, den Brandschutz, den Lärmschutz und die Bodenbeschaffenheit. „Das, was wir hier bauen, ist kein Luftschloss“, betont Andreas Rickert. Ein Entwurf des Nutzungskonzeptes, das noch mit den Mitgliedern abgestimmt wird, liegt der Redaktion vor.

Natürlich sind bei einem solchen Projekt, das in der geplanten Ausführung in den Händen eines Vereins in der Region durchaus Leuchtturm-Charakter hat, viele beteiligt. Holger Hinkerohe berichtet von einem Gespräch, das er – in einem anderen Zusammenhang – mit der Leitung des zuständigen Kreisbauamtes geführt habe. „Das kriegen wir hin“, sei ihm mit auf den Weg gegeben worden.

Natürlich stehen auch die Stadtverwaltung und die politischen Gremien in Sendenhorst im Boot mit am Ruder. „Die Stadt hat uns massiv unterstützt und Gas gegeben“, berichtet Andreas Rickert. Ein wesentlicher Knackpunkt war auch in der Vergangenheit für angedachte (Gewerbe-)Nutzungen die Erschließung von der Landesstraße 586, insbesondere bezogen auf die Linksabbiegerspur aus Richtung Tönnishäuschen.

Erschließung

Nun habe Straßen NRW auch mit Blick auf die geplante Ortsumgehung das „Go“ gegeben. Die Arbeiten hierfür, erklären Andreas Rickert und Holger Hinkerohe, sollen im Frühjahr 2027 beginnen. Die Änderung des Bebauungsplans hat die Politik beschlossen. Die Stadt hat das Grundstück im Anschluss an das bestehende Gewerbegebiet gekauft, um dieses zu erweitern (wir berichteten). Den hinteren Teil in Richtung Schützen- und Bürgerwald erwirbt der Schützenverein für seine Halle inklusive Freigelände für den Bogensport und einen Indoor-Bereich für die Sportschützen. „Nicht aus der Vereinskasse“, betonen Andreas Rickert und Holger Hinkerohe.

Auch das Schützenfest mit dem Königsschießen findet nach der noch nicht terminierten Fertigstellung der Anlage auf dem Gelände statt. Neben dem großen Saal wird es Nebenräume für kleinere Veranstaltungen, Gymnastik, Reha-Sport, Proben, Konzerte, plattdeutsches Theater und Ähnliches geben. Für den Betrieb der Schützenhalle will der Verein aus rechtlichen Gründen eine 100-prozentige Tochtergesellschaft gründen.Der Aufwand für Planung und Umsetzung ist immens. Warum das alles? Das habe viel mit dem Abriss des Bürgerhauses vor einigen Jahren zu tun. „Wir haben nichts mehr“, sagt Holger Hinkerohe – und meint damit eine größere Location für Veranstaltungen und Feiern der Vereine und Institutionen aus beiden Ortsteilen.

Große Veranstaltungen

So plane zum Beispiel die SG, ihren früher legendären Karneval wieder aufleben zu lassen. „Wir wollen für die Vereine ein neues Zuhause schaffen“, erklärt Andreas Rickert. Die oft genutzte Aula der Realschule St. Martin sei für solche Veranstaltungen nicht konzipiert worden und stehe bei der anstehenden Sanierung der Schule wohl auch nur bedingt zur Verfügung.

Ein weiterer Grund: Das traditionelle Schützenfest des Vereins auf dem Lambertiplatz sei bereits seit längerem rechtlich und mit Blick auf die Nachbarschaft „grenzwertig“, meint Rickert. Vogelschießen und lautes Feiern in der Innenstadt seien nur noch ausnahmsweise geduldet.

Keine Feierhalle

Wichtig ist dem Vorstand zu betonen, dass keine Feierhalle geplant ist. Private Feste, etwa Hochzeiten und Co., seien ausgeschlossen. Eine Ausnahme, so sieht es der Entwurf vor, könnten gelegentlich Feste langjähriger Mitglieder seien, worüber im Einzelfall entschieden werde. Und wenn Veka einen neuen Ort für seine traditionelle Weihnachtsfeier mit Betriebsversammlung suche, sei das Unternehmen selbstverständlich sehr willkommen. Grundsätzlich gelte, dass die Betriebskosten erwirtschaftet werden müssten.